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Kochbuch-Rezension: „Passione Cooking“ von Julia Morat


Julia Morat ist Südtirolerin. Seit 2015 betreibt sie einen italienischen Blog, der ihre Liebe zum Kochen zelebriert. Ihre Rezepte, Anekdoten und die ästhetischen Bilder ihrer Speisen regen Appetit und Kreativität an. Die Arbeit als Foodbloggerin ist nicht nur ein Zeitvertreib, wie zum Beispiel ihr Mann zunächst dachte. Julia Morat ist eine bekannte Größe in der Foodblogger-Szene, und das über die Grenzen Südtirols hinaus. Das merkte ihr Mann, als er Julia neuen Bekanntschaften vorstellte und diese antworteten: „Ach ja, ich kenne sie, ich folge ihrem Blog!“


Ein Hoch auf die Familie

In ihrem Kochbuch „Passione Cooking“ liefert sie mehr von den Dingen, für die sie bereits bekannt ist: bunte Rezepte, familiäre Anekdoten und tolle Fotos. Außerdem feiert sie ihre italienischen und österreichischen Wurzeln. Einfache Spaghetti-Rezepte (Vollkorn-Spaghetti mit Radicchio-Mandel-Pesto, Spaghetti mit Ofengemüse und Kurkuma) haben hier genauso ihre Berechtigung wie die aufwendigen, süßen Donauwellen mit Pfirsichen. Bei jedem Rezept bemerkt man die Lebensfreude der Autorin, ja, ihrer ganzen Familie. Denn wie Julia selbst sagt, hat sie nicht nur zwei Co-Autorinnen in Form ihrer Mama Reinhild und Oma Imma, sondern auch zwei Co-Köchinnen in ihren jungen Töchtern Linda und Mara. Kein Wunder, dass es ein eigenes Kapitel für „Familienrezepte“ gibt. Abgesehen davon wird das Buch in die Kapitel „Schnell & Einfach“ und „Wenn es mal aufwendiger sein kann“ eingeteilt. Alle drei Kapitel beginnen mit pikanten Speisen, „Süßes“ macht den Abschluss. Insgesamt werden 89 Rezepte vorgestellt, alle werden von appetitlichen Bildern begleitet.

Zur raschen Orientierung stehen gleich unter den sehr übersichtlichen Zutatenlisten Zeitangaben zum Vorbereiten, Kochen oder Marinieren. Auch die Schwierigkeitsstufe des Rezepts wird angegeben, allerdings sind sie alle nur „niedrig“- oder „mittel“-schwer. Einige Rezepte haben auch Tipps, zum Beispiel darf man Stracchino mit Frischkäse ersetzen. Die Exotik der Zutaten hält sich in Grenzen, und falls es doch mal regionalspezifisch wird, werden Alternativen genannt. Für meine Rezension habe ich mir – ganz im Zeichen des familiären Kocherlebnisses – meine kleine Schwester Cornelia geschnappt und drei vielversprechende Gerichte nachgekocht.


(C): Julia Morat

Mini-Quiches mit Brokkoli und Blumenkohl

Dieses Gericht steht im Kapitel „Schnell & Einfach“, was es auch war. Allerdings hätten wir uns genauere Angaben bei den Mengen von Brokkoli und Karfiol (wie wir zwei Wienerinnen sagen) gewünscht: Im Rezept steht nämlich schlicht „einen halben“ Brokkoli und Karfiol zu verwenden. Aber wie viel das ist, kann ja stark variieren. Das muss beim Anrühren der Ei-Sahne-Mischung (oder Ei-Schlagobers-Mischung, wie Cornelia betonte) unbedingt beachtet werden. Schlussendlich ging aber alles gut und wir verkosteten das Ergebnis. Unser Fazit: Wir hätten die Anweisung „etwas Salz und Pfeffer“ um einiges großzügiger auslegen müssen. Unsere Quiches waren ein wenig fad. Gesund haben wir uns beim Essen aber auf jeden Fall gefühlt.

(C): Julia Morat

Ofennudeln mit Melanzane-Scheiben im Teigmantel nach Nonna Ottilia

Dieses Rezept steht im Kapitel „Familienrezepte“, hätte aber auch ohne Probleme zu den „aufwendigen“ Gerichten gepasst: 45 Minuten lang lässt man die Melanzane-Scheiben abtropfen, eine halbe Stunde lang lässt man die passierten Tomaten mit Zwiebel, Knoblauch und Basilikum köcheln, und Nudeln muss man auch noch kochen. Die Melanzane-Scheiben werden dann durch den Teig aus zwei Eiern, Parmesan, Mehl, Petersilie und Pfeffer gezogen und im heißen Öl frittiert. Bei dieser heißen Angelegenheit ist meine Schwester gleich in Deckung gegangen! Abschließend werden die gekochten Nudeln mit der Tomatensauce vermischt, die gebackenen Melanzane-Scheiben darüber geschichtet – und alles nochmal für 10 Minuten in den Ofen geschoben. Ein zeit- und werkzeugintensives Rezept. Wie hat es geschmeckt? Die Melanzani im Teigmantel waren knusprig und geschmacksintensiv. Die Tomatensauce hat uns aber herb enttäuscht, denn sie schmeckte überraschend eindimensional. Eine halbe Zwiebel und eine Knoblauchzehe für 500 ml Tomatensaft ­ – selbst, wenn das Ganze dann noch eine halbe Stunde lang köcheln muss – sind wohl einfach zu wenig. Hier würden wir beim nächsten Mal gegensteuern. Aber Julia Morat sagt ja selbst von sich, dass sie sich nicht gut an Rezepte halten kann und gern experimentiert.


(C): Julia Morat

Espresso-Cheesecake ohne Backen

Dieser kalorienreiche Traum aus Creme und Keks ist im „aufwendigeren“ Kapitel unter „Süßes“ zu finden. Hier haben wir gemerkt: Auch wenn aufwendig dabei steht, heißt das nicht, dass es kompliziert sein muss (beim Durchblättern haben wir uns gewundert, wieso die kinderleichten würzigen Ofenkartoffeln in diesem Kapitel sind). Der Keksboden wird ganz easy aus zerkrümelten Keksen und Butter gemacht. Die Kaffeecreme besteht einerseits aus Zartbitterschokolade und Espresso, andererseits aus reichlich Mascarpone, Sahne und Frischkäse. Den Zucker in der Creme haben wir gleich vorweg reduziert, unsere Familie ist nicht gar so süß unterwegs. Am Schluss waren wir alle glücklich und haben fleißig genascht.




Fazit

„Passione Cooking“ ist ein sympathisches Werk. Julia Morat plaudert über ihre Familie, gibt kleine Tipps oder teilt interessantes Faktenwissen. Sie weckt mit ihren Rezepten (Vor-)Freude fürs Kochen. Die schöne, bunte Gestaltung lädt zum Reinschmökern und Inspirieren ein. Dazu passt, dass man nicht jeden Rezeptschritt sklavisch befolgen sollte.


4 von 5 Sternen


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Passione Cooking von Julia Morat

Hardcover

20 × 25 cm, bunt, 272 Seiten

ISBN: 978-88-7283-711-5

Preis: 24,20



Rezension von Christine Schäffer

Bilder von Verlag Raetia, Julia Morat


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